Cenoten - Höhlentauchen in Mexico

Text und Bilder, auch ohne weiteren Hinweis (c) Derk Marko Reckel, alle Bilder mit "Mouse-Over-Texten"

Die Höhlensysteme der Halbinsel Yucatan, einer Halbinsel aus korallinem Kalkstein in Mexico, werden Cenoten genannt. Die Cenoten sind Höhlen, die während der Eiszeiten, in den Phasen des abgesunkenen Meeresspiegels entstanden sind. Wasser konnte in den porösen Kalkstein eindringen und das im Wasser gelöste Kohlendioxid (als Kohlensäure) hat kleine Hohlräume geschaffen, die in ihrer Form unregelmässig sind und über die Zeit miteinander verbunden wurden. So enstanden Höhlensysteme, die weit verzweigt sind und sehr ungerelmässige Formen aufweisen können. Aufgrund der marinen Herkunft des Gesteins lassen sich oft Fossilien in den Höhlenwänden finden.

Schildkrötenpanzer in der Cenote Manatee

Einmal entstanden kamen dann je nach Wasserstand weitere Auswaschungen hinzu, oder, wenn die Höhle in einer Eiszeit trocken lag, konnten sich durch eindringendes Oberflächenwasser Stalagmiten und Stalagtiten bilden. In flachen Cenotensystemen überwiegen diese, in tiefer gelegenen überwiegen manchmal die skurilen Formen der Auswaschungen.

Stalagtiten
Auswaschungsformation

Die eigentliche Cenote (vom Maya-Wort "Dzenot" abgeleitet) ist eine Einbruchsstelle der Höhlendecke in einem Bereich der durch die Auswaschnuden zu dünn geworden ist. Unterschiedliche Cenoten haben vollkommen unterschiedliche Charakterisitka, so können sie kleine Löcher oder grosse Krater sein. Genau wie man im Inneren des Höhlensystems enge Gänge und grosse Säle findet. Wenn die Einbrüche klein sind, können sie Mensch und Tier gefährlich werden, weil man versehentlich hineinfallen kann. So finden sich in manchen Cenoten Tierknochen in den Eingangsbereichen. Werden Knochen weiter im Höhleninneren entdeckt, so sind diese in aller Regel während der Eiszeiten dort hineingekommen und sind Teil archäologischer Untersuchungen, so dass die meisten bereits von ihren Fundorten entfernt wurden.

Wildschweinknochen an frischem Einbruch in der Cenote Nohoch Nah Chich

In der Maya-Zeit wurden die Cenoten als heilig verehrt. Die Höhlen galten zum einen als Wohnstätte der Geister der Vorfahren, denen geopfert wurde. So wurden in der berühmtesten Opfer-Cenote, der 60 Meter im Durchmesser messenden Cenote in Chichen Itza etliche Ausgrabungen in den Sedimenten durchgeführt, bei denen Töpferwaren, Edelmetalle und Edelsteine gefunden wurden. Ausserdem wurden die Cenoten auch als nie versiegende Wasserquelle verehrt.

Cenotentempel über einer Cenote gebaut

Der grösste Teil der Höhlensysteme ist heute mit Wasser gefüllt, aber einige Systeme sind auch trocken und zu Fuss begehbar. Das Wasser in den Cenoten ist dabei entweder im flacheren Bereich Süsswasser oder hat, in tieferen Bereichen (je nach Cenote unterswchiedlich in ca. 10 - 20 Metern) Salzwasser, bei dem man davon ausgeht, dass es dort eingeschlossen wurde. An den Grenzschichten von Süss- und Salzwasser, den Haloklinen, kann man beim Durchschwimmen Verwirbelungen beobachten, die die Sicht mässig bis stark beeinträchtigen können.

Wellenbewegungen entlang der Halokline

Die Hand des Tauchers ist noch zu erkennen
Rechts ist nicht die Linse getrübt, wir sind nebeneinander getaucht

Während man in den meisten Cenoten kristallklares Wasser mit Sichtweiten von 100 Metern und mehr vorfindet, gibt es auch welche, in denen im Oberflächennähe die Sicht durch Pflanzlichen Eintrag und die dadurch abgegebenen Huminsäuren leicht Cola-farben gefärbt ist, so dass die Sicht nur wenige Meter beträgt (z.B. Cenote Turtle). Verlässt man den Cavern Bereich, hat man aber wieder eine hervorragende Sicht.

Aber auch aktuell leben die unterschiedlichsten Tiere in den Cavern- und Cave-Bereichen der Cenoten. In eigentlich allen Süsswasserbereichen kann man als Salmler Charax caudivittatus, den Rautenflecksalmler beobachten. Ausserdem finden sich dort Lebendgebärende Zahnkarpfen, vermutlich der Gattung Mollinesia. Diese variieren in den Arten je nach Cenote etwas. In den Süsswassercenoten sind Buntbarsche der Gattung Cichlasoma und Thorichtys zu finden, merkwürdigerweise kamen Cichlasoma auch noch in der Brackwassercenote "Manatee" vor, in der man, dem Namen entsprechend gelegentlich Manatees sieht, und in der die Fauna vor allem aus Grundeln, Silberlingen und Lebendgebärenden besteht, jedoch auch aus Schnappern und Barrakudas... Selten findet man im Cavern-Bereich Raubsalmler wie dieses ca. 22 cm lange Exemplar eines Erythrurus spec.

Raubsalmler in der Bat Cave
Im Cave-Bereich, in den einem die Salmler im Schein der Lampen folgen, findet man blinde Höhlenfische, Welse und eine ganze Anzahl Krebstiere wie blinde Garnelen, Asselkrebse oder Ruderfusskrebse.
Blinder Höhlenfisch
Blinder Asselkrebs

Ein weiter Teil der Cenoten-Systeme lässt noch ausreichend Raum für neue Entdeckungen, aber die grössten Systeme sind schon auf einer Länge von fast 60 Kilometer Länge erfasst (Cenote Giant Birdcage, Nohoch Nah Chich), während die kleinsten sich nur auf den eigentlichen Cenoten-Krater beschränken (Cenote Angelita). Überirdisch sind manche nur wenige hundert Meter voneinander entfernt, unterirdisch ist es dann aber eine bedeutend längere Distanz, die man zu überwinden hat, um von einer Cenote in die Nachbarcenote zu tauchen.

Die meisten Cenoten sind für Taucher zugänglich, aber fast alle liegen auf Privatbesitz und man muss Eintritt zahlen. An den bekanntesten und schönsten Cenoten sind eigene Tauchzentren entstanden, aber von den meisten Tauchshops der Gegend aus werden Cenotentauchgänge angeboten.

Hidden Worlds Dive Center an der Bundesstrasse

Die Erreichbarkeit von asphaltierten Strassen aus ist dabei sehr unterschiedlich, nicht immer ist man mit einem Strassentauchglichen Gefährt da noch schnell genug. Auf diesem Zufahrsweg zur relativ neu entdeckten Cenote "Dream Gate" war die Durchschnittsgeschwindigkeit ca. 4 km/h! Die Cenoten-Trucks sind da meist deutlich schneller unterwegs, auch wenn sie sehr abenteuerlich aussehen.

Cenotenhighway - 2 km bis zum Dream Gate
Sehen klapperig aus, aber machen Tempo

Auch die Ein- und Ausstiege sind manchmal abenteuerlich, bei den meisten Cenoten sind aber inzwischen komfortabele Ein- und Ausstiegsstellen angelegt, und auch Ausrüstungstische sind oft vorhanden, wenn auch manchmal in unverständlichen Höhen...

Temple of Doom - Einstieg
Und mit 50 kg auf dem Rücken wieder raus

Will man in diesen Systemen tauchen, so muss man die unterschiedlichen Bereiche unterscheiden. Zum einen gibt es den Bereich, in dem man noch Tageslicht sieht, ist dieser nicht weiter als 60 Meter vom Eingang entfernt, wird er als Cavern- oder Grottenbereich bezeichnet. Um hier zu tauchen reicht eine Freiwasserzertifizierung und ein Tauchlehrer, der als Höhlentaucher ausgebildet ist, als Führer. Will man weiter in die Höhle hinein (Cave- oder Höhlen-Bereich), muss man als Höhlentaucher zertifiziert sein und bestimmte Sicherheitsregeln befolgen.
Die Wassertemperatur in den Cenoten ist angenehm, aber kühler als im nahen Ozean. Sie liegt zwischen 23 und 25 Grad, bei den meisten Cenoten ziemlich genau bei 24 Grad.

Wenn man den Grottenbereich verlässt wird in den meisten Cenoten durch Schilder gewarnt, dass es ab hier einer speziellen Ausbildung bedarf, weil bereits zu viele unvorsichtige Taucher ums Leben gekommen sind, weil sie sich ohne entsprechende Ausbildung in die Höhle gewagt haben.

Mit weniger...
oder mehr Text - immer eindeutig
So ähnlich soll schliesslich keiner aussehen

Wie schon beschrieben, sind alle Cenoten unterschiedlich, haben ihren eigenen Charakter. Aber sie haben auch ihre eigene Tauch-Geschichte, und so sind z.B. die vorderen Bereiche der Cenote "Car Wash" in einem etwas mitgenommenen Zustand, weil hier viel Höhlentauchausbildung betrieben wird (auch ich habe hier den "im Dunkeln trotz Hindernissen nach draussen finden"-Teil meiner Ausbildung hinter mich gebracht), wenn man aber weiter hineintaucht so bietet z.B. der "Room of Tears" eine unglaubliche Schönheit.
Manche Taucher meinen, dass abgebrochene Stalagtiten und Stalagmiten auf ihre schlecht tarierenden Vorgänger zurückzuführen sind. Die ist sicher zum Teil begründet und das Höhlentauchen setzt schon gute Tarierkenntnisse voraus. Andererseits kann man aber in fast jungfräulichen Cenoten, wie "Dream Gate", die erst von sehr wenigen Höhlentauchern betaucht wurde (mir wurde gesagt, ich wäre etwa der 8. Cave-Taucher gewesen, und ca. 60 Cavern-Taucher waren auch schon drin; 12/2003) sehen, wie fragil die Dekoration ist. Allein durch die ausgeatmete Luft und die Bewegung der Luftblasen an der Höhlendecke fallen gelegentlich Stalagtiten von ca. 10 cm von der Decke. Aber auch in start dekorierten Bereichen, in die nie ein Taucher vordringen kann liegen mitten drin herabgefallene Stalagtiten oder umgekippte Stalagmiten.
Was man aber leider ziemlich oft sieht sind "Tauchergraffiti", Handabdrücke (die nicht das ergebnis eines Tarierungsunfalls waren), in den Boden oder in Wände geschriebene Namen und unachtsame Flossenspuren.

Einfach mal herabgefallen
Tauchergraffiti

In manchen Bereichen lässt sich aber der Kontakt mit den Höhlenwänden, dem Boden oder der Decke nicht vermeiden, diese werden als "Verengungen" bezeichnet und sind den zertifizierten "Full Cave" Tauchern vorbehalten. Und da heisst es dann gaaaanz langsam und vorsichtig durch - um die Höhle und die Ausrüstung zu schützen.
Durch und dann immer der Stömung nach nach unten - Verengung in Nohoch Nah Chich

Wichtig beim Höhlentauchen ist die Hauptregel, dass man immer einem durchgehenden Seil zum Ausgang entlang taucht. Möchte man irgendwo hin, wo kein Seil liegt, legt man einen Marker in Richtung Ausgang und ab diesem dann ein eigenes Seil.

Pfeil und Spule anlegen
So sieht der Abzweig aus
und dann fleissig weiter Seil abrollen

Um auf Nummer sicher zu gehen werden an den Höhlenpfeilen eigene "Passagemarker" angebracht, entweder daneben in Form einer Scheibe (also nicht richtugnsweisend), oder z.B. auch daran, in Form einer Wäscheklammer.
Ob es sich um einen Höhlenpfeil, einen Passagemarker oder eine angebrachte Rolle handelt - alle Objekte sollten immer mit Namen oder Kürzel des Tauchers oder Teams versehen sein, da in manchen Höhlen durchaus "starker Verkehr" herrschen kann.
Eine Wäscheklammer als Passagemarker angebracht und weiter

In meinem Tauchurlaub habe ich in folgenden Cenoten getaucht (mehrere Nennungen in einer Zeile bedeuten mehrere Cenoten in einem Tauchgang) und bin mit den Standard Doppel-12er Flaschen bis zu 80 Minuten in die Systeme vorgedrungen (1/3 Regel, Gesamttauchzeit bis 160 Minuten):

Cenote "Bat Cave" (Two Eyes / Dos Ojos-System) und "Two Eyes-West Eye"
Ein kleines Loch für den Nichttaucher - eine neue Welt für den Taucher
Cenote "Car Wash / Aktun Ha" und "Luke's Hope"
Ausbildung und Schönheit
Cenote "Cristal / Naharon"
Ein Unterwassergaren in der Cenote, herrliche Dekoration in der Höhle
Cenote "Two Palm Trees / Dos Palmas"

Leider hatte ich die Kamera vergessen

Cenote "Dream Gate" (Two Eyes / Dos Ojos-System)
Die schönste Cenote in der ich war - alles sehr zerbrechlich
Cenote "Garden of Eden" (Two Eyes / Dos Ojos-System,

wird jetzt under dem Namen "Orchids / Orquideas" betaucht, der erste Name war "Where are we?" weil es dies war, was der Entdecker nach dem Auftauchen rief)


Das kleine Paradies für Zwischendurch
Cenote "Giant Birdhouse / Nohoch Nah Chich", neu entstandene Cenote und unbekannte Cenote
Das grösste Höhlensystem der Welt, enge Passagen und grosse Säle
Cenote "Gran Cenote"
Eigentlich auch nicht grösser als manch andere
Cenote "Manatee"
Brackwassercenote mit Mangrovenbewuchs
Cenote "Taj Mahal"
Ein schillernder Name und grosse Räume im inneren
Cenote "Temple of Doom / Calavera" (auch bekannt als Skull Cave)
Das schaurigste war für mich der Ausstieg
Cenote "Turtle / Tortuga"
Oben trübe, unten klar

Ein besonderes Erlebnis ist es immer wieder, wenn man aus den stockdunkelen Gängen in den Cavern-Bereich zurückkehrt und die Lichtstrahlen in dem kristallklaren Wasser sieht.

In Natur ist es besser fokussiert
Nicht ganz so schillernd ist es in der Brackwassercenote Manatee





Und hier geht es zu den kommentarlosen Bildern aus den Cenoten.





Empfohlene Literatur:


- Gerrard, Steve: The Cenotes of the Riviera Maya

Sehenswerte Filme:


- Aguas Sagradas (Spanisch und mit Untertiteln in Englisch, NTSC und PAL erhältlich)
- Bill Kurtis: Die neuen Entdecker - Unerwasserhöhlen (über das Nohoch Nah Chich-System, Deutsch und Englisch, auch als DVD erhältlich)
- Journey into Amazing Caves, I MAX

Links:


- Brigitte und Christopher, meine Tauchbasis in Mexico
- Harry Gust, mein Cave Instructor
- Hidden Worlds Dive Center




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